Lange ist es her, als ich durch die einsamen Wege von Friedhofsanlagen schlenderte. Fasziniert von den geschmückten Gräbern, überwältigt von der ruhigen und traurigen Stimmung. Nur wenige Menschen waren immer zu sehen gewesen, die zielstrebig und in vollkommener Abwesenheit das Grab eines verstorbenen, vermissten Menschen pflegten. Nie wurde der Mund benutzt, um Gedanken auszusprechen, nie brauchte man sich erklären. Es war in Ordnung, andere nicht wahrzunehmen.
Lange ist es her, als ich die stille Luft einatmete, und die Schwere in mir hinaus blies, täglich meine Runden um die Kirche lief, und die Last auf meinen Schultern immer größer wurde.
Friedhöfe strahlen eine lebendige Ruhe aus, wie sie nur selten auf der Welt zu finden ist. Dort ist Schweigen willkommen, dort braucht man nicht die Maske des Lächelns aufsetzen, keine Glückseligkeit spielen.
Heute treibe ich mich gerne in Bibliotheken herum. Auch dort ist die Stille etwas ganz besonderes, der Sinn gegensätzlich.
Die vielen kurzen Gänge zwischen den vollgestopften Regalen laden zum stummen schlendern ein. Ein Ort, an dem man alles andere für Minuten und gar Stunden vergessen kann. Ein Ort, wo so viel Wissen flüstert, welches weitergegeben werden möchte. Ein Ort voller fremder Welten und einzigartigen Geschichten, ähnlich wie auf dem Friedhof, nur lebendiger.
Heute laufe ich dort Runden, mein Lächeln formen meine Lippen ganz automatisch, und doch werde ich stark an früher erinnert. Mit ganzer Würdigung schreite ich an Bücherrücken vorbei, suche nach Wissen, ignoriere die anderen. Atme immer noch stille Luft ein, doch hauche ich nun Geduld hinaus. Erkenntnis früheren Wissens, wie es mit den Jahren gekommen ist. Die Last habe ich von mir genommen, und bin nun neugierig auf das was vor mir liegt.
Und ich weiß schon jetzt, bald werde ich weiter ziehen, und einen neuen, interessanten Ort kennen lernen, dessen Stille zu würdigen sich lohnt, wo mein Lächeln weiterleben wird...
3. April 2014
26. März 2014
Between Colours
"...so wie die Sonne strahlt, lachen auch die Blumen's Blüten. Hartnäckig hält sich kühle Luft. Der Reif, er will nicht weichen, müssen warten, wir alle nun. Doch ganz kleines bisschen schaffen sie's, die kleinen Knospen zu erwachen, zeigen Farbenpracht daher, die uns wärmen, solang im Herz..."
15. März 2014
Der Diätenwahnsinn...
...und wie man ihn entkommen kann.
Jetzt wo die Temperaturen endlich
wieder milder werden, die Knospen sprießen und wir den dicken
Wintermantel ablegen können, locken sämtliche Zeitschriften und
Onlineplattformen mit den besten Abnehmtricks; der Diätenwahnsinn
beginnt. Alle Jahre wieder...
Die Bauch-Weg-Diät, die noch besser
ist, die Stoffwechseldiät, die effektiver sein soll, und die
Fastenkur, die die Winterzeit im Körper schneller beendet. Die
Saisondiät, die Wundersuppendiät, die Blitzdiät. Nur um mal einige
genannt zu haben.
Alle versprechen sie gemeinsam, in
kürzester Zeit viel abzunehmen, es darf sogar geschummelt werden. An
den Jojo-Effekt wird nicht gedacht, auch nicht an die körperlichen
Folgen während einer Diät.
Wissen ist Macht, und mächtig wollen
wir alle sein.
Man könnte meinen, in der Ernährung
lernt man nie aus. Da jeder Körper unterschiedlich 'tickt', ist
es wahrscheinlich auch so.
Doch welche Diät ist nun für einem
selbst richtig?
Ich würde meinen, gar keine.
Obwohl auch ich ständig seit zehn,
zwölf Jahren den überflüssigen Kilos an meinem Körper den Kampf
ansage, habe ich nie was von Diäten gehalten. Mal hier etwas
weniger, mal dort etwas weniger, zwischendurch mehr Sport. Aber mich
so richtig an einem Konzept gehalten hatte ich mich nie. Mal wog ich etwas mehr, mal etwas weniger. Ein ständiges Auf und Ab.
Es sind nun schon fast zwei Jahre her, als ich
angefangen hatte, mich für meiner Ernährung und meinem Körper zu
interessieren. Und noch immer lerne ich dazu. Ich bin vieles
nachgegangen, habe ausprobiert, bin gescheitert und war erfolgreich.
Und mittlerweile könnte ich behaupten, das Ziel schon zu sehen.
Um es kurz zu machen: Das Geheimrezept
besteht aus Selbstanalyse, informieren bzgl. Ernährung und das
bewusste Wahrnehmen. Darauf möchte ich gerne kurz näher eingehen.
Selbstanalyse
Man selbst ist der Mittelpunkt des
Lebens. Darum geht es, um Zufriedenheit, Selbstverwirklichung, das
Ausleben der Dinge, die man gerne macht und mag. Seinen persönlichen
Weg zu finden.
Und doch läuft eher mehr schief als
gut. Ängste und Zweifel sind unser stetiger Begleiter, Erfahrungen
(und Enttäuschungen) halten uns ganz fest umklammert.
Wer etwas ändern will, muss sich erst
einmal sich selbst stellen.
Warum das Ganze? Weil man dann auch die
Unzufriedenheit mit dem Körper angehen kann.
Hat man das geschafft, ist man schon
ein ordentliches Stück weiter!
Nun kann man schauen, inwiefern das
alles unsere Essensweise beeinflusst, denn viele von uns denken, dass
(fettiges und übersüßtes) Essen unser bester Freund sei und uns
immer glücklich macht. Das er aber das genaue Gegenteil ist, wollen
wir nicht hören.
Warum stopfen wir uns mit Schokolade &
Co voll, wenn wir traurig oder enttäuscht sind? Warum verkrauchen
wir uns im Bett, inkl. Pizza und Pasta, wenn wir einsam sind? Warum
essen wir Fettiges und Ungesundes, wenn wir gehetzt und gestresst
sind? Wenn der Körper Nahrung benötigt, haben wir Hunger. Doch
meist essen wir eher wegen Heißhunger, Gelüste und aus Frust. Und
das schlimme, wir kriegen manchmal gar nicht mit, dass wir essen, und
vor allem nicht, wie viel.
Sich selbst beobachten ist angesagt!
Von Vorteil ist auch ein Esstagebuch, um sein Verzehr bewusst
mitzubekommen.
Informieren
Nur wer weiß was der Körper braucht
(und wie viel davon) kann das Ausmaß seiner alten (schlechten)
Ernährung begreifen. Nur wer sich mit den verschiedensten Lebensmitteln beschäftigt
weiß, was gut und was schlecht ist.
Wer Profi auf diesem Gebiet ist,
der weiß sogar, wie unglaublich intrigant, Macht und Geld besessen
die Lebensmittelindustrie ist, auf Kosten der Gesundheit aller.
Die Macht der Gewohnheiten siegt
meistens über einen, und das was der Bauer nicht kennt, frisst er
auch nicht. Sich schlau machen über Lebensmittel ist Pflicht, auch
was wir an Nährstoffen, etc. wir bei unserer Größe und unserem
Gewicht überhaupt benötigen.
Ich habe mittlerweile so einige Bücher
durchgelesen, mich durch Blogs und Internetseiten geklickt, und war
schon kurz davor alles über den Haufen zu schmeißen, weil ich das
Gefühl hatte wahnsinnig zu werden. Ich weiß, dass einem immer sehr
viele Steine im Weg gelegt werden, und da ich ein vollkommenes und
rundum glückliches, zufriedenes Leben führen möchte, ist die
Ernährung nun mal auch wichtig, und ich blieb dran. Denn wenn der
Körper nicht mehr richtig mitspielt, bin ich nicht mehr richtig ich,
denn ich müsste eingeschränkt leben, und würde so wiederum nicht glücklich
werden.
Es gibt Menschen, die sind mit weniger
zufrieden und leben begrenzt, und manche wollen das volle Programm.
Und dafür gebe ich alles.
Man sollte auch mal beobachten, wie gut
einem Nahrungsmittel bekommen. Gewürze und Tees sind übrigens super
Helfer, was die Verdauung, den Geschmack und dem Körpersystem
betreffen!
Bewusstes Wahrnehmen
Wer ein halbes Lebensmittellexikon in
seinem Gedächtnis hat, der weiß, dass Diäten nicht lange etwas und viel
bringen. Man hat für einige Tage ein paar Kilos abgenommen, dafür
in ein paar Wochen wieder drauf, evtl. sogar mehr.
Wer mit dem Wissen weise geworden ist,
der weiß, dass Ernährungsumstellung im Allgemeinen das Zauberwort heißt. (Ess)Gewohnheiten erlangen wir sehr schnell, doch diese können
wir auch wieder ablegen, bzw. ändern. Alles was negativ ist, kann in
Positives umgewandelt werden, das sollte man nie vergessen!
Wer seine Lebensmittel bewusst zu sich
nimmt, gewinnt nicht nur für seinen Körper, sondern gleich für's
ganze Leben. Das Bewusstsein, sich und seinem Körper etwas Gutes zu
tun, der gibt auch seiner Seele ihren Frieden, und somit können sich
auch alle anderen Wahrnehmungen verändern. Man wird aufmerksamer,
man strahlt mehr Selbstvertrauen aus, man springt vor lauter Energie im Dreieck, man ist zufrieden!
Ich kann das natürlich nur aus meiner
Sicht beurteilen, aber ich bin mir sicher, dass es die anderen nicht
unbedingt anders sehen.
Das war die/meine Theorie, kurz
zusammen gefasst. Anfangs können natürlich Disziplin und
Durchhaltevermögen eine wesentliche Rolle spielen, aber wichtig ist,
dass man nicht aufgibt. Auch ich brauche manchmal noch 'Pausen', oder
denke dass es doch so einfach ist, sich die Lügen und Intrigen der
Lebensmittelindustrie hinzugeben, und in dem Alter wird das irgendwie
schon, mit Tabletten & Co.
Ich bin nach wie vor weder Veganer noch
Vegetarier. Auch wenn ich oft vegetarisch oder gar vegan esse, ich
könnte nie auf Fleisch, Fisch und Milchprodukte verzichten. Klar,
auch diese Gewohnheit könnte ich mir abgewöhnen, aber ich möchte
es gar nicht. Nicht nur weil ich Abwechslung in meinem Essensplan
brauche, sondern weil ich finde, dass es die Lebenskette nun mal
nicht unbedingt vorsieht, dass wir vegan leben müssen. Tiere essen
andere Tiere, und als Neandertaler jagten wir schließlich auch
Lebewesen, um zu überleben. Natürlich ist das heutzutage zu einem
enormen, katastrophalen Problem geworden, und diese Überproduktion
und Verschwendung von Lebensmittel gehen auch mir immer wieder an die Nieren. Aber das
ist widerum ein ganz anderes Thema...
6. März 2014
Morgenruhe
Es ist wieder soweit. Der Frühling streckt seine Fühler aus und will mich greifen, fest in seinen Armen schlingen, mich liebkosen und mir ein Stückchen Glück schenken...
7:42Uhr, irgendwo Randberlin.
Der Entschluss zu laufen ist gar nicht so leicht, als wie man zu glauben meint. Doch hat man ihn erstmal bezwungen, funktioniert alles von ganz alleine.
Der Weg ist mir nicht mehr gut im Gedächnis; ich gehe einfach drauf los. Wenn ich mal nicht weiter weiß, brauche ich nur die Spitze des hohen Turms am Himmel zu suchen, und ich weiß, welche Wege meine Füße einschlagen müssen.
Es ist so früh. Trotz der angekündigten Frühlingsgrade klaubt sich hauchdünn der Reif an die Welt fest. Auf Autos, auf Knospen, an Häusermauern und Straßenschlidern. Das verlassene Betriebsgelände neben mir wirkt noch verlassener, und im Hintergrund glaube ich kleine, fast durchsichtige Staubbüschel an den Hallenaußenwänden vorbeifegen zu sehen, die vom frischen Morgenwind geschubst werden.
Ich spüre die Kälte unter meinen dünnen Mantel krauchen, und anfangs frage ich mich selbst, ob ich nicht lieber umkehren soll, zurück ins warme Heim, wo ich mir einen heißen Kräutertee machen und mich tief unter Decken graben könnte.
Die Sonne ist hinter dünnen, einheitlichen Wolken verdeckt und ich bezweifle, dass sie es in den nächsten drei Stunden schaffen wird, sich einen Weg durch sie zu bahnen.
Doch ich gebe nicht auf und gehe einfach weiter, lasse knochige Bäume und kaputten Pflasterstein hinter mir. Ich lasse nicht zu dass sich meine Muskeln verkrampfen, und laufe einfach weiter, denn mit jedem Schritt ist das Ziel näher.
Die Straßen sind verlassen, richtig unheimlich, denke ich.
Sonntags sind die Straßen oft am Tagensanfang und Tagesende leer, und mit viel Fantasie kann man sich einreden, als suche die Pest die Großstadt heim.
Manchmal frage ich mich, wie es wäre, wenn die Welt vor der Ausrottung stehen würde, so wie es in unzähligen Katastrophenfilmen dargelegt wird. Wenn plötzlich die Bedrohung, in welcher Form auch immer, näher rückt und man nicht weiß, ob es gut oder schlecht ist, weiterleben zu müssen.
Ich verdränge die Bilder aus meinen Kopf und gehe zügiger, damit mir wärmer wird.
Ich habe nun schon ein gutes Stück zurückgelassen. Und nun sehe ich auch vereinzelte Menschen, überwiegend ältere, über die Straße huschen. Die Brötchentüte fest am Leib gedrückt, als könnte man sich an ihnen wärmen. Die Mäntel werden straffer zugezogen, anscheinend hat niemand mit diesem kalten Morgen gerechnet. Selbst nur der Gang zum Bäcker ist enorm ungemütlich.
Ich passiere eine kleine Parkinsel, die sich zwischen den Häuserblocks mir in dem Weg stellt. Einige Spatzen hocken im Geäst und beobachten mich scharf. Zwei kommen herunter geflogen und betteln mich an. Ich ignoriere sie und gehe weiter.
Ich laufe nur noch an hohen Wohnhäusern vorbei, mal pastellgelbe, mal bräunliche. Welche mit Balkon, andere ohne. Manche saniert, andere alt und dreckig.
Mein Umfeld wird lebendiger, je näher ich dem Stadtzentrum komme. Straßen werden von einigen Autos und Rädern befahren, Menschen kreuzen meinen Weg oder laufen mirtmir in die selbe Richtung, weil die Bushaltestelle auf dem Weg liegt. Menschen mir Hunden an den Leinen oder Kindern an den Händen.
Ich muss die Hälfte der Strecke hinter mich haben, jetzt wird es ganz schnell gehen. Ich sehe den hohen Turm nun größer und dominanter sich am Himmel abzeichnen. Die Richtung meines Weges ist überwiegend schnurstracks geradeaus. Und so gehe ich weiter, mit Schweiß im Nacken, und schau mir die Stadt am Morgen an.
7:42Uhr, irgendwo Randberlin.
Der Entschluss zu laufen ist gar nicht so leicht, als wie man zu glauben meint. Doch hat man ihn erstmal bezwungen, funktioniert alles von ganz alleine.
Der Weg ist mir nicht mehr gut im Gedächnis; ich gehe einfach drauf los. Wenn ich mal nicht weiter weiß, brauche ich nur die Spitze des hohen Turms am Himmel zu suchen, und ich weiß, welche Wege meine Füße einschlagen müssen.
Es ist so früh. Trotz der angekündigten Frühlingsgrade klaubt sich hauchdünn der Reif an die Welt fest. Auf Autos, auf Knospen, an Häusermauern und Straßenschlidern. Das verlassene Betriebsgelände neben mir wirkt noch verlassener, und im Hintergrund glaube ich kleine, fast durchsichtige Staubbüschel an den Hallenaußenwänden vorbeifegen zu sehen, die vom frischen Morgenwind geschubst werden.
Ich spüre die Kälte unter meinen dünnen Mantel krauchen, und anfangs frage ich mich selbst, ob ich nicht lieber umkehren soll, zurück ins warme Heim, wo ich mir einen heißen Kräutertee machen und mich tief unter Decken graben könnte.
Die Sonne ist hinter dünnen, einheitlichen Wolken verdeckt und ich bezweifle, dass sie es in den nächsten drei Stunden schaffen wird, sich einen Weg durch sie zu bahnen.
Doch ich gebe nicht auf und gehe einfach weiter, lasse knochige Bäume und kaputten Pflasterstein hinter mir. Ich lasse nicht zu dass sich meine Muskeln verkrampfen, und laufe einfach weiter, denn mit jedem Schritt ist das Ziel näher.
Die Straßen sind verlassen, richtig unheimlich, denke ich.
Sonntags sind die Straßen oft am Tagensanfang und Tagesende leer, und mit viel Fantasie kann man sich einreden, als suche die Pest die Großstadt heim.
Manchmal frage ich mich, wie es wäre, wenn die Welt vor der Ausrottung stehen würde, so wie es in unzähligen Katastrophenfilmen dargelegt wird. Wenn plötzlich die Bedrohung, in welcher Form auch immer, näher rückt und man nicht weiß, ob es gut oder schlecht ist, weiterleben zu müssen.
Ich verdränge die Bilder aus meinen Kopf und gehe zügiger, damit mir wärmer wird.
Ich habe nun schon ein gutes Stück zurückgelassen. Und nun sehe ich auch vereinzelte Menschen, überwiegend ältere, über die Straße huschen. Die Brötchentüte fest am Leib gedrückt, als könnte man sich an ihnen wärmen. Die Mäntel werden straffer zugezogen, anscheinend hat niemand mit diesem kalten Morgen gerechnet. Selbst nur der Gang zum Bäcker ist enorm ungemütlich.
Ich passiere eine kleine Parkinsel, die sich zwischen den Häuserblocks mir in dem Weg stellt. Einige Spatzen hocken im Geäst und beobachten mich scharf. Zwei kommen herunter geflogen und betteln mich an. Ich ignoriere sie und gehe weiter.
Ich laufe nur noch an hohen Wohnhäusern vorbei, mal pastellgelbe, mal bräunliche. Welche mit Balkon, andere ohne. Manche saniert, andere alt und dreckig.
Mein Umfeld wird lebendiger, je näher ich dem Stadtzentrum komme. Straßen werden von einigen Autos und Rädern befahren, Menschen kreuzen meinen Weg oder laufen mirtmir in die selbe Richtung, weil die Bushaltestelle auf dem Weg liegt. Menschen mir Hunden an den Leinen oder Kindern an den Händen.
Ich muss die Hälfte der Strecke hinter mich haben, jetzt wird es ganz schnell gehen. Ich sehe den hohen Turm nun größer und dominanter sich am Himmel abzeichnen. Die Richtung meines Weges ist überwiegend schnurstracks geradeaus. Und so gehe ich weiter, mit Schweiß im Nacken, und schau mir die Stadt am Morgen an.
22. Februar 2014
Frühlingsbote
"...so wunderschön lacht die Sonne vor dem blauen Himmel, treibt die Menschen aus ihren Löchern. Lässt sie tanzen, lässt sie singen, lässt sie leben. Farben leuchten, alles fängt an zu blühen. Und so wissen wir, der Frühling ist nicht mehr weit..."
14. Februar 2014
Marktszene
Als er den überfüllten Marktplatz erreichte, ertönte das gewaltige
Schlagen der Turmuhr. Sieben Mal donnerte die Uhr, und er wusste,
dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Die Sonne sank tiefer und warf
lange Schatten um den Marktplatz herum.
Er ignorierte die lockenden Rufe der Marktstandinhaber, die wild
durcheinander ihre Waren zu günstigen Preisen anpriesen. Er kümmerte
sich auch nicht um die herumstehenden Marktbesucher, um die
umherrennenden Kinder und um die streunenden Tiere. Seine Augen
blendeten alles aus, sie wollten nur eins finden, ihr Gesicht, und ihre helle Haarmähne, die es umgab.
Er irrte haltlos umher, ging jeder Gasse nach und durchkämmte jeden
kleinsten Winkel. Er versuchte, sich in sie zu versetzen; sie war
verletzt, hatte nichts bei sich, und im Grunde wusste sie auch nicht,
wo sie hin sollte, so kam es ihm vor. Vielleicht war sie aber auch
schon längst in Sicherheit, oder gar nicht mehr in der Stadt, dachte
er.
Er drängelte sich durch das Herzstück des Marktplatzes, um auf
der anderen Seite zu suchen. Gerade, als er die wenigen Stufen zu
einem Café hinauflaufen wollte, welches an einer unscheinbaren
Seitenstraße lag, sah er aus den Augenwinkel etwas Helles
aufblitzen. Nur flüchtig und kaum wahrnehmbar.
Abrupt drehte er den Kopf in die Richtung und suchte gierig wie ein
Tier, das Witterung aufgenommen hatte, die Stelle ab. Er versuchte
den hellen Punkt einzufangen, zwischen den vielen, grauen Menschen.
Wo war er nur, fragte er sich.
Und dann, als sich die Masse für Millisekunden lichtete, sah er ihn.
Er hastete los, ohne darüber nachzudenken, ob er das Richtige sah.
Es war sein einziger Anhaltspunkt, seine einzige greifbare Hoffnung.
Er quetschte sich an Menschenkörpern, riesigen Pallettentürmen und
Ständen vorbei.
Es kam ihm vor, als wollten ihn die Marktbesucher mit Absicht nicht
durchlassen. Frauen mit großen Einkaufskörben, Mütter mit ihren
Kindern an der Hand und Standverkäufer mit riesigen Kisten kamen ihn
ständig in die Quere. Jeder plapperte wirr daher, Kinder schrien,
Männer verhandelten, und die Verkäufer läuteten die letzte
Einkaufsstunde ein und boten schreiend ihre Ware noch günstiger an.
Er kam dem Punkt immer näher, und als er es endlich schaffte, ihn
zu erreichen, sah er doch nur den steinernen Springbrunnen, aus dem
ein brauner Hund seelenruhig trank. Kleine Mädchen mit geflochtenen Zöpfen, die am Brunnenrand saßen,
sahen auf und schauten ihn mit großen, runden Augen an.
Er sah sich um. Er hatte keine Zeit nachzudenken, er bog einfach
in die nächste Seitengasse ein, kaum so breit, dass drei Menschen
nebeneinander gehen konnten. Mülltonnen reihten sich aneinander, aus
manchen quoll der Müll schon heraus, und mit ihm unangenehme Gerüche.
Umgekippte Kisten und Kästen lagen in dem engen Gang und versperrten
den Weg, und er blieb beim Drübersteigen und Vorbeidrängeln oft
an herabstehenden Holzsplitter hängen.
Mit jedem Schritt, den er ging, nahm der Lärmpegel des Marktes ab.
Automatisch ging er langsamer, und suchte jede dunkle Ecke ab. Fast
am anderen Ende der Gasse angekommen und mit schwindender Hoffnung,
sah er zwischen einer großen Tonne und morschen Holzbrettern, die an
der Wand lehnten, Kleidung liegen. Beim Nähertreten konnte er im
Dunkeln gerade so eine Gestalt ausmachen; nur schwach reichte das
Markt- und Straßenlicht hier hinein.
Es war keine Seltenheit an solchen Orten Obdachlose, Penner und
Abzocker anzutreffen. Doch als er die schwach leuchtenden, langen
Haare sah, war er sich sicher. Hastig beugte er sich zu ihr
hinunter und ignorierte sein rasendes Herz.
Er fühlte ihren Puls und hievte sie hoch, sodass sie sich an der
kalten Steinwand des Gebäudes abstützen konnte.
„Hey, kannst du mich hören?“, fragte er flüsternd.
Sachte schüttelte er sie an den Schultern.
Sie stöhnte auf und kam langsam zu sich.
„Lass mich...schlafen...brennt alles“, nuschelte sie.
„Jaja, ich weiß. Du kannst aber jetzt nicht schlafen!“
Flüchtig schaute er zu dem verbundenen Arm, um den er sich selbst
noch vor Stunden gekümmert hatte. Er kramte in seiner Umhängetasche
herum und zog eine Wasserflasche heraus.
„Los komm, trink was. Ich hab hier auch etwas Zucker für dich.“
Er holte eine kleine Tüte mit Traubenzuckerbonbons aus der Tasche,
öffnete sie und schob ihr einfach eins in den Mund. Nur widerwillig
gab sie nach.
Sie öffnete langsam die Augen und ihr Blick schwirrte unkontrolliert
umher. Er sah, dass es ihr augenblicklich besser ging, ihr
Kreislauf schien sich zu stabilisieren. Er hielt ihr die
Wasserflasche an den Mund, und gierig nahm sie einige Schlucke.
„Hier, nimm noch ein Bonbon. Ich hab dich überall gesucht, du
kannst doch nicht einfach abhauen!“
Sie musterte ihn, sagte aber nichts. Er sprach einfach weiter:
„Ich bin wie ein Blöder durch die Stadt gerannt und habe dich
gesucht. Du kannst doch nicht einfach weglaufen! Ich weiß zwar nicht
genau, was mit dir passiert ist, aber dass du Hilfe brauchst, ist ja
wohl offensichtlich! Was ist los mit dir? Du hast da echt eine fiese
Wunde! Wir sollten doch lieber ins Krankenhaus fahren.“
„Ich werde nicht ins Krankenhaus gehen, und was passiert ist, ist
nicht relevant!" Sie schaute ihn nicht direkt an. "Ich hab alles unter Kontrolle!“, entgegnete sie
erschöpft aber schnippisch.
Er lachte auf. „Ja, das seh ich. Du kannst ja nicht mal aufrecht
gehen. Willst du sterben?“
„Wäre vielleicht gar keine schlechte Idee.“
„Ach komm hör auf, Probleme kann man lösen, und auch wenn du
irgendeine schlimme Krankheit hast, kann man dagegen etwas
unternehmen! Ich kann dir da gut...“
„Hör auf!“, schnitt sie ihm, mit erhobener Hand, das Wort ab. Trotz des schwachen Lichts funkelten ihre Augen.
Er atmete tief ein und scharf wieder aus. „Was ist dein Problem?
Ich will dir doch nur helfen!“
„Genau das ist es, ich will keine Hilfe, ich komm gut alleine klar!
Du hättest mich nicht mitnehmen sollen. Du hast dich nur selbst in
Gefahr gebracht!“
Er stand auf und fuhr sich machtlos mit den Händen durch die
Haare. Er kickte eine leere Dose davon, welche gegen eine volle
Mülltonne donnerte.
„Du spinnst ja total! Hast du dich schon mal im Spiegel gesehen?“,
brach es aus ihm heraus, und er sprang auf. Er schaute auf sie
hinunter. „Du lagst bewusstlos am Boden, und dein Arm sieht aus,
als hätte dir jemand ein Stück Fleisch herausgerissen. Mit etwas
Glück holst du dir eine Blutvergiftung, wenn du nicht schon vorher
irgendwie unter die Hunde kommst. Die Stadt ist nicht so sicher, wie
sie am Tage glänzt.“
Sie schloss die Augen und schwieg. Sie war so müde.
Er lief ungeduldig auf und ab, sie machte ihn noch wahnsinnig!,
dachte er.
„Geh einfach, ich hab alles unter Kontrolle, wie oft soll ich das
noch sagen. Bin eh bald wieder weg aus dieser Drecksstadt“, sagte
sie leise.
Sie kramte in ihren Manteltaschen und fischte ein Haargummi heraus,
mit dem sie ihre Haare zusammenband.
Er hockte sich wieder neben sie und sah sie eindringlich an.
„Was ist dein Problem? Warum kannst du mir nicht einfach
sagen, was passiert ist? Du bist doch bestimmt nicht einfach so zum
Vergnügen hier? Kennst du hier jemanden? Bist du beruflich hier?“
Sie ignorierte ihn und rappelte sich langsam auf, er ging
automatisch mit ihr hoch. Ihr war übel und ihr Kopf hämmerte. Das
heiße Pulsieren in ihrem Körper ignorierte sie.
„Warum kapierst du es nicht...“, begann sie kaum hörbar zu
sprechen. Ihr Mund war wie ausgetrocknet, und ihr ganzer Körper
schmerzte, dennoch setzte sie einen Fuß vor dem anderen Richtung
Straße. „Lass mich doch einfach in Ruhe, ich will deine Hilfe
nicht.“ Sie sah ihn erschöpft an.
„Okay...du willst also, dass ich gehe, dass ich deinen Zustand
ignoriere, und wahrscheinlich auch, dass du mit großer Sicherheit
schon sehr bald irgendwo tot herumliegen wirst und im Idealfall von
Straßenkötern angeknabbert wirst.“
Er funkelte sie wütend an. Sein Herz raste wieder, und irgendein
unschönes Gefühl breitete sich in seiner Magengegend aus.
„Schön!“ Er schmiss ihr die Wasserflasche und die Bonbontüte,
die er beide noch in den Händen hielt, vor die Füße und rauschte
an ihr vorbei. Er verließ die Gasse ohne sich noch einmal
umzudrehen. In seinem Kopf drehte sich und tobte alles, er verstand
es einfach nicht. Er verstand SIE nicht.
Durch die Gassen irrend, ohne ein Ziel zu haben, lief er immer
weiter. Er versuchte die Gedanken an sie zu verdrängen, zwang sich,
die Leere in den Kopf zu holen.
Nach etlichen Stunden, so kam es ihm vor, steuerte er den
Nachhauseweg an, auch wenn es noch ewig dauern würde. Er lief
einfach weiter, und mit jedem Schritt verrauchte seine Wut. Doch das
unschöne Gefühl in seinem Magen blieb.
1. Februar 2014
Wintereinbruch
"...erst wurde der Frühling vorgeschickt, und kurz darauf kam der kalte Winter, erbarmungslos. Schockte nicht nur Bäume und Pflanzen, sondern auch uns Menschen. Er taucht uns, lang verspätet, im weißen Puderzuckermantel, legt uns auf Eis, und lässt die Welt in kurzen Momenten still und einsam stehen..."
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