13. April 2014

[un]reality

Verträumt schaue ich aus dem Fenster. Versuche einen Gedanken zu fassen, doch nur unendlich weite Leere rauscht durch meinem Kopf.
Ich stehe auf und gehe in die Küche. Was ich dort will, weiß ich nicht.
Ich betrachte meine kleine Küchenzeile, schaue von den schmalen Strauß frischer Petersilie zu dem kleinen Körbchen voll mit roten Tomaten und Paprikaschoten. Betrachte die Außenwand meines Kühlschrankes, lese mir, wie schon hundert Male zuvor, die Kärtchen mit Sprüchen durch, sehe meine Magneten darüber haften, sehe das gleiche Bild wie immer.
Ich gehe zurück in mein Wohnzimmer und bleibe mitten im Raum stehen. Schaue mich um, und weiß nicht was ich suche. Ich spüre sie, die Unruhe in mir, doch kann ich sie nicht greifen, keinen Namen geben.
Ich habe durst und gehe wieder in die Küche. Mein Blick streift nur beiläufig das Zeug, was unter dem Stuhl liegt, der vor dem kleinen Tisch in der Ecke steht. Ich fülle mir ein Glas mit Wasser und nippe daran, und schaue desinteressiert zurück zu meinem Stuhl. Meine Tasche, wie sie jeden Tag dort drauf liegt, ist geöffnet. Mein Schlüsselbund hängt schlapp heraus, fast bis zum Boden hinunter. Ich folge das Band, und bleibe wieder an dem Zeug unter'm Stuhl hängen. Ich sehe etwas vorblitzen, gehe hin und schaue nach. Ich nehme einen Pullover von mir hoch, der irgendwann von der Lehne heruntergefallen sein muss, und finde meine neuen Sportschuhe. Ständig lagere ich meine Klamotten in der Küche, und vergrabe oft andere Dinge.
Ich stelle das Glas ab und nehme die Schuhe in den Händen und begutachte sie. Automatisch schaue ich aus dem Küchenfenster nach draußen, sehe mir den Himmel an. Als würden sie mich leiten, ohne dass ich den Gedanken richtig fassen kann.
Und dann kam der Drang, hinaus und einfach loszulaufen, unausweichlich. Ich stellte mir vor wie ich durch's Grün laufe, wie ich alles hinter mir lasse, wie mein Kopf leichter wird und der Körper schwerer. Ich spüre die Energie, und während ich noch träume, suche ich wie von anderes besessen meine Sportsachen zusammen. Schlüpfe in der Dreiviertelhose, ziehe mir mein Sportshirt über. Schlüssel, Handy und ein Taschentuch stopfe ich in den Taschen der Joggingjacke, die mit Reißverschlüssen an den Taschen der Seiten versehen ist, und werfe sie mir über.
Und dann laufe ich einfach los, völlig vorfreudig.

Ich laufe den Weg, der am Friedhof vorbei führt, den ich immer nehme. Betrachte die wunderschönen, blühenden Bäume und atme deren süßlichen Duft ein.
Die Sonne ist fern, und der Nachmittag sieht aus, als würde er schon Abend sein wollen.
Mein Weg, nur geradeaus.
Ich schaue immer wieder in den Himmel hoch; die Atmosphäre ist sonderbar, so unwirklich, und wieder wird es in meinem Kopf ganz still. Das Vogelgezwitscher, der Lärm von einigen Autos, das fliegende Flugzeug im Hintergrund.
Alles entfernt sich.....und dann ist da dieser Schatten, der mich mit sich reißt.
Plötzlicht ist es Nacht, und wo eben noch grüne Blätter und strahlende Blüten an Bäumen und Stäucher hingen, ragen nur noch verdörrte und knochige Äste empor.
Ein unheimlicher Wind säuselt an mir vorbei, und ich spüre, das irgendetwas nicht stimmt.
Ich laufe immer noch die selbe Strecke, nur scheint diese ewig lang zu sein. Die Straße rechts von mir ist verlassen, nur einige Verpackungsreste werden vom Wind an mir vorbei getragen.
Ich laufe einfach weiter. Den Weg will ich nicht wechseln, denn ich weiß, dass dann etwas schreckliches passieren wird. Ich kann auch nicht stehen bleiben.
Ich wage einen kurzen Blick nach hinten, und ehe ich mich versehe, stolpere ich und falle nach vorn. Ich falle immer weiter, stürze tief in ein dunkles Loch hinein. Alles um mich herum dreht sich und verschwimmt, es verschwindet.
Und so wie alles um mich herum verschwindet, so löse auch ich mich auf...in einem Nebel, so unscheinbar.

Kommentare:

  1. Juhuu...Kopfkino :-)
    Wunderschön geschrieben, genau so wie ich es mir bildlich vorstellen kann...als würde ich selbst laufen. So realistisch ist die Geschichte, auch wenn sie unreality heißt. :-)
    So ist es bei vielen Menschen denke ich, auch bei mir. Auch mir passiert es, dass ich durch die Wohnung gehe und eigentlich weiß was ich will. Nach zwei Schritten weiß ich es nicht mehr. Dann setze ich mich wieder hin und es dauert ein wenig bis es mir wieder einfällt. Einfach deswegen, weil so viel im Kopf ist und ich auf viele Dinge auf einmal denken möchte.
    Auch bei deiner Geschichte sieht man, wie viele Gedanken einem Menschen durch den Kopf gehen ohne dass man das möchte.
    Trotzdem...du hast uns hier etwas zum Nachdenken gegeben. Dankeschön dafür.
    Liebe Grüße
    Danny

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    1. Vielen dank und gern geschehen!
      So ist es wohl...
      Liebe Grüße

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